Krise als Chance

Krise bedeutet für mich, dass etwas im Leben nicht mehr so funktioniert wie es mal funktioniert hat. So gesehen ist Krise ein ganz normaler Vorgang, weil kein Leben einfach von Anfang bis Ende vor sich hin plätschert, sondern es kommen immer mal neue Situationen, die uns neue Denk- und Handlungsweisen abverlangen.

Zunächst werden wir unser Leben so einrichten, dass es am Besten zu unserer gelernten Weise zu denken, zu fühlen und zu handeln passt. Dann kommt ein Punkt, an dem funktioniert das nicht mehr. Die damit verbundene Situation nennen wir dann Krise. Aber tatsächlich gehören Krisen zu einem erfolgreichen Leben dazu, wenn man unter Erfolg das persönliche Wachstum versteht.

Die Krise kommt, wenn wir lange genug, meistens unbewusst zu lange, noch einem inneren Skript gefolgt sind, und fordert uns heraus, aufzuwachen. Oder ein bestimmtes Lebensereignis kommt, das uns in eine Krise schubst. Dann beginnt ein Prozess, den ich immer wieder spannend und kreativ finde, auch wenn er nicht angenehm ist — das gebe ich zu, schließlich habe ich selbst schon einige Krisen durchlebt. Doch es sind Prozesse, die zu unserem Leben dazu gehören.

Das kann eine Krise in der Partnerschaft oder eine Trennung sein, eine berufliche Veränderung, ein Umzug, oder auch eine drängende Sinnfrage im Leben. Dann gibt es noch typische Übergangsmomente, wie Heirat, Elternschaft, Kinder gehen aus dem Haus oder Beginn der Rente.

Ich begegne Krisen mit einer initiatischen Haltung (Initiation = Einführung in einen neuen Lebensabschnitt). Das heißt, dass wir jede Situation im Leben als initiatischen Moment begreifen und bewusst wahrnehmen können, als Übergang in eine neue Weise zu denken, zu fühlen, zu handeln, zu leben, zu sein. In dem Moment, wenn ich eine neue Lebenssituation begreife, nehme ich sie als Einladung des Lebens, mich zu entwickeln.

Das Leiden beginnt dann, wenn wir dem nicht zustimmen. So lade ich meine Klienten dazu ein, dem Leben mit einer initiatischen Haltung zu begegnen. „Es ist zwar nicht angenehm, aber ich nehme die Herausforderung des Lebens an.“ Das macht einen großen Unterschied, denn in diesem Moment endet das Leid, das wir uns erschaffen durch unsere Nicht-Zustimmung. Damit erwirken wir uns eine neue Lebensqualität.